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Herr Köhler, militärische Mittel und die Deutschen Außenhandelsinteressen [Update 5] PDF Print

-Fiktiver Brief an Herrn Köhler-

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

mit Trauer, Scham und großer Befremdung habe ich heute eine Äußerung von Ihnen zum Thema Afghanistaneinsatz gehört.
Der Deutschlandfunk zitiert Sie mit den Worten:

"Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen."

Wie kann es sein, dass Sie eine Verbindung herstellen zwischen einem international mandatierten Kampf- oder Kriegseinsatz und dem Thema "Deutsche Außenhandelsabhängigkeit"?

Ist es nicht so, dass "Deutschland" keinesfalls alleine zu militärischen Mitteln greift, sondern viel eher "die Internationale Gemeinschaft" innerhalb strenger Mandate, bei denen unser Land (zwangsläufig) eine Mitverantwortung übernimmt?

Und ist es nicht so, dass ein Kriegs- oder Kampfeinsatz die Ultima Ratio überhaupt jeder Politik sein kann?

Wenn jemand sagt, man müsse "im Zweifel zur Wahrung nationaler Interessen zu militärischen Mitteln greifen" dann macht mir das Angst. Hier fehlt nämlich der Aspekt mit der „internationalen Gemeinschaft“.

"Zweifel" sind außerdem in der Politik bei schwierigen Entscheidungen --hoffentlich-- immer vorhanden, denn fast immer gibt es Gegenargumente und Gegenpositionen von durchaus vernünftigen Menschen, die nicht völlig weltfremd sind, und die einen, hoffentlich, bei schwierigen Entscheidungen zweifeln lassen. Wie es Peter F. Drucker in Worte fasst: "Wer Alternativen nicht in Betracht zieht, der ist geistig nicht aufgeschlossen." (The effective Executive)

Wenn Sie das "Zweifeln" als Kriterium definieren, als Grenze setzen, ab der man um des "Außenhandels" Willen und wegen "nationalen Interessen" militärische Mittel einsetzt, dann müsste das Land, dessen Präsident Sie sind, künftig ständig militärische Mittel einsetzen.

Bei den beiden Begriffe "Außenhandel" und "Zweifel" fallen mir in der aktuellen Eurokrise einige unserer Nachbarländer ein.

Ich schäme mich für solche unterdifferenzierten, missverständlichen Äußerungen eines Bundespräsidenten (wenn sie so gefallen sind). Sie erwecken dein Eindruck, der Einsatz wäre eine nationale, keine international-gemeinschaftliche Aufgabe. Und der Verweis auf den Außenhandel ist im besten Fall nur eins: eine unüberlegte Floskel.

(22.Mai 2010)

 


 

Update 1 - 15.15 Uhr

Offenbar hat der DRADIO die Audio-Interviewdatei um die besagten Äußerungen gekürzt.
Auch das Transkript des Interviews wurde um die Äußerungen gekürzt.

Lediglich noch in den Nachrichtentexten früherer Stunden ist die gekürzte Form zu finden:

Köhler-News-Dradio

 

Kopie der Original-Meldung vor Ihrer Kürzung beim Querblog:

http://www.querblog.de/2010/05/22/wie-bitte-herr-khler/

 


 

Update 2 - 23.05:

Es scheint zwei verschiedene MP3-Audiodateien zu geben, eine in gekürzter Form, und eine in längerer Form, die die Äußerungen enthalten:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/05/22/drk_20100522_0751_c6f918db.mp3

vs

http://www.dradio.de/aod/html/?mod=aod&station=&js_enabled=1&search=Horst+K%F6hler&date1_use=1&day1=22&month1=05&year1=2010&date2_use=1&day2=22&month2=05&year2=2010&search_station=0&broadcast=&theme=&ACTION_SEARCH=Suchen

Leider spiegeln die jeweiligen Text-Transkripte nicht den vollständigen Interviewtext wider. (via http://holgi.blogger.de/stories/1636681/ )

 


 

Update 3 - 23.05. (14:04)

Eine Weile dachte ich, ich müsste den Vorwurf zurückziehen, dass der DRadio nachträglich an den Inhalten des Köhler-Interviews gekürzt habe. Während das für die Audio-Dateien deshalb nicht gilt, weil es zwei Versionen gibt (s.o.), -eine längere, eine kürzere- , bin ich aber nach wie vor davon überzeugt, dass das für das Transkript des DLF gilt.

Die Suchfunktion auf der Website nach dem Begriff "Außenhandel" liefert nämlich folgenden Screenshot. Man beachte die URL, auf die das Suchergebnis verweist:

dradio-search3

 

Ruft man den Artikel mit der URL auf, auf die das Suchergebnis verweist, dann erthält man einen Text, der den Suchbegriff garnicht enthält. Das kann nur bedeuten: Im Such-Index des DRadios steht noch die "alte" Version -mit dem Begriff "Außenhandelsabhängigkeit"-, auf den die Suche greift. Dass der referenzierte Artikel dann den Begriff nicht mehr enthält, ist nur so zu erklären, dass er nachträglich geändert wurde (ohne dass der Suchindex das Update erhielt):

Article-1

Fortsetzung:

Article-2

 

Vielleicht, lieber DRadio, handelt es sich nur um ein Missverständnis meinerseits, oder ich interpretiere die obigen Daten falsch. Ich bin natürlich immer offen für eine Korrektur oder Erläuterung.

Aber im Zentrum steht nach wie vor der Inhalt von Herrn Köhlers Äußerungen.

Textvergleich auch hier: http://joese.de/blog/2010/05/23/pressestelle-oder-journalismus/

 


 

Update 25.05.2010

Das Transkript zur längeren Fassung des Interviews ist jetzt vollständig:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1188780/

 


 

Update 26.05.2010

Ein Kommentar auf http://www.unpolitik.de/2010/05/22/unser-volk-braucht-markt/#comment-4939 zitiert eine Antwortmail des DLF. Danach handelte es sich um ein redaktionelles Versehen.

(17:23) "Der Freitag" greift die Äußerung von Herrn Köhler auf:

http://www.freitag.de/politik/1021-deutsches-interesse